DIE WAHRE BEDEUTUNG VON TUGEND

Dies ist das persönliche Zeugnis von GREG MORRISON, der zwei Jahre lang Schüler in Chavagnes war. Es ist zuerst in der irischen Publikation The Brandsma Rewiew erschienen.

Als Greg es schrieb, studierte er Geschichte und Theologie an der Lampeter University in Wales. Er beendete sein Studium im Juni 2008 mit einem Abschluss erster Klasse und ist nun als Lehrer nach Chavagnes zurückgekommen. Sein jüngerer Bruder ist derweilen noch als Schüler im letzten Schuljahr hier.

 

Bevor ich nach Chavagnes ging, war mein katholischer ‘Glaube’ mehr eine Sache der Loyalität als des Glaubens. Alle von uns Morrison-Kindern waren stets von unseren Eltern zur Messe mitgenommen worden, und unsere Eltern unterrichteten uns im Glauben, so weit wir es verstehen konnten. Es gab keine Ausreden, etwa nicht zur Messe zu gehen, und meine Brüder und ich waren Messdiener, seit wir fünf oder sechs Jahre alt waren – was in etwa der Zeitpunkt unserer Erstkommunion war.

Ich war nicht stolz, katholisch zu sein, aber da ich es weder einfach ablegen konnte noch verleugnen wollte, entwickelte ich eine kämpferische Einstellung. Ich bekannte meinen Glauben nicht, auch nicht gegenüber meinen Schulfreunden, aber aus Stolz hätte ich jeden, der sich über ihn lustig machte, niedergeschlagen – eher als etwa zu leugnen, dass ich zur Messe ging und die Morallehre und Theologie der Kirche akzeptierte.

Obwohl Mum und Dad tief religiös waren und uns gut erzogen, hatte ich als Kind immer das nagende Gefühl, dass die katholische Lehre einfach altmodisch und längst widerlegt wäre – egal was Mum sagte, egal wie sehr ich Dad liebte und vertraute, egal wie sehr ich mich danach sehnte, ihnen glauben zu können. Ich hatte das Gefühl, dass der Glaube vergeblich sei; es schien keine Hoffnung zu geben.

Ich stimme Georges Bernanos, dem Autor von Le Journal d'un Curé de Campagne, zu, der eine seiner Figuren schreiben lässt: “Man verliert nicht den Glauben … man hört einfach auf, danach zu leben.” Ich denke, das was meine Lage, bevor ich nach Chavagnes ging. Ich wollte verzweifelt gern der Kirche glauben, an Heilige und Engel, an die leibliche Gegenwart Jesu im heiligen Sakrament und an den Himmel, wohl weil diese Dinge meine Kindheit sicherer und geborgener hatten erscheinen lassen – etwa wie ein 11-12jähriger sich danach sehnen mag, noch an den Weihnachtsmann glauben zu können. Es würde Wärme und Geborgenheit zurückbringen – und doch schien die kalte Sinnlosigkeit der Welt die einzige Realität zu sein.

Tiefe Eindrücke

Die Liturgie in Chavagnes, die Ehrfurcht, mit der sie zelebriert wurde und die Musik in der Messe haben mich schnell tief beeindruckt. Hier waren Leute, die keine Angst davor hatten, ihren Glauben zu bekennen, und die ihr Leben bewusst nach ihrem Glauben gestalteten. Gerade solch ein Beispiel hatten mir auch meine Eltern immer vorgelebt, aber es war irgendwie sehr hilfreich, es in Lehrern und Mitschülern zu sehen: in Jungen, die mit mir zusammen zu Männern wurden. Da war keine Spur von der Haltung, die man heute in so vielen katholischen Pfarreien findet, und die unausgesprochen schreit: “Jugend! Wir müssen Jugendliche anziehen, koste es, was es wolle! Lasst uns für sie alles leichter verdaulich machen!”

Junge Männer sehen auf so etwas herab. Ich erinnere mich, wie sich meine Mitschüler im Gymnasium darüber lustig machten, wie unsere Leher moderne christliche Lieder mit Schlagzeug und E-Gitarre sangen – in einem verzweifelten Versuch, aus der Versammlung uninteressierter und entkirchlichter Jugendlicher eine Reaktion hervorzulocken. Ich habe damals an mehreren kirchlichen Festtagen die Messe versäumt, weil ich lieber mit meinen Freunden rauchen wollte als in die Kirche zu gehen, für die wir weder Respekt noch Glauben hatten und die uns peinlich berührte.

Vernunft und Glaube

Nicht so in Chavagnes. Wir wurden über den Glauben unterrichtet und langsam aber sicher verstand ich, dass es jede Menge Argumente für den Glauben, an den ich mich so verzweifelt klammern wollte, gab. Er erwies sich als stark und mannhaft und der Vernunft entsprechend. Tugend war keineswegs weichlich und lachhaft für harte Kerle; die Idee von Härte als Männlichkeit, die uns Jungen durch Hollywood und die Rowdykultur eingetrichtert worden war, erwies sich als totale Lüge. Ich erkannte, dass Tugend in Wirklichkeit mannhafter war als irgendein anderer Lebensstil. Ich war angenehm überrascht, als ich herausfand, dass das englische Wort für Tugend, virtue, vom lateinischen virtus kommt, was ‘Mannhaftigkeit’ bedeutet.

Die Worte Christi “wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin”, die ich lange für den Weg zur Vollkommenheit, aber ganz sicher keinen mannhaften Weg hielt, erkannte ich allmählich als den wirklich mannhaften Weg. Für einen Jungen ist das nicht leicht zu akzeptieren, aber ich habe es in Chavagnes in einer durch und durch männlichen Umgebung gelernt. Wir haben gelernt, ganze Männer zu sein; Männer, denen es darum geht, Christus ähnlicher zu werden und die nicht einfach auf das Bild von Männlichkeit hereinfallen, mit dem uns die säkulare Gesellschaft um ein Haar verführt hätte.

Ich habe gute Literatur gelesen, katholisch und nicht, habe weniger Filme gesehen, dafür aber solche mit Moral und tieferem Sinn als der Quatsch, nach dem Kinder süchtig werden, wenn sie zu viel fernsehen dürfen. Im Literaturclub haben wir Gedichte gelesen. Wir haben gute Musik aller Stilrichtungen gehört und das gute Benehmen der alten Zeit verinnerlicht: Ritterlichkeit, die weit tiefer geht als ‘einnehmendes Verhalten’, weil sie den Nächsten wirklich wichtig nimmt. Das ist etwas ganz anderes als einfach ‘nett’ zu sein.

Ich habe gelernt, dass Nettigkeit nur dann richtig ist, wenn sie das Gute zum Ziel hat – zum Beispiel bei gutem Benehmen, höflicher Unterhaltung und dem Vermeiden von Streit. Wenn es aber zwischen dem Guten und dem Netten, wie es die Gesellschaft sieht, einen Konflikt gibt, dann muss man das Gute wählen.

Das Unwetter überdauern

Chavagnes ist so ziemlich der einzige Grund, dass ich noch zur Messe gehe und in meinem Leben der Morallehre der Kirche folge. Meine Erfahrungen dort lehrten mich Ehrfurcht vor Gott, wirklichen Mut und dass unser Glaube der einzige ist, der Sinn macht: die katholische Kirche ist nicht einfach nur eine Kirche, sie ist die Kirche. Unsere Religion ist nicht auf einer Ebene mit allen anderen, sondern die einzige, die wunderbar mit dem übereinstimmt, was wir aus Verstand und Experiment über Wirklichkeit und Vollkommenheit gelernt haben – sie ist die Religion.

Chavagnes ist der Grund, dass ich wirklich stolz bin, katholisch zu sein, dass ich mich nicht einem ertrinkenden Seemann gleich an daran festklammere, unsicher, ob ich nicht einfach loslassen und den Kampf aufgeben soll, sodern dass ich das Unwetter im Wissen um sein Ende überdaure, weil der Kampf nicht umsonst ist. Mehr denn je bin ich bereit, mit Nicht-Gläubigen über den Glauben zu diskutieren, nicht um Recht zu behalten, sondern weil ich wirklich glaube, weil ich die Schwierigkeiten der Nicht-Gläubigen verstehe und die Argumente vorwärts und rückwärts kenne. Ich argumentiere weniger, um stolz zu beweisen, dass Glaube vernünftig ist und niemand mich vom Gegenteil überzeugen kann, und mehr, um Menschen den Weg zur Wahrheit zu zeigen, zu Erfüllung und Frieden, damit sie nicht denken müssen, sie seien nichts als Tiere und Sünde gäbe es nicht, wie es die Welt zu lehren versucht.

Das Beispiel der Lehrer, der Kaplane und der anderen in Chavagnes hat mir die Kraft gegeben, unabhängig den Weg weiterzugehen, auf den meine Eltern mich als Kind gestellt haben, den Weg des christlichen Glaubens und der christlichen Moral gemäβ der Lehre der katholischen Kirche. Es hat mich gelehrt, zu vertrauen und zu glauben, auf einer tieferen Ebene als zuvor zu beten und einen gesundenen Respekt für die Sakramente, die Christus uns anbietet, zu haben. Meine Eltern haben ihre Pflicht erfüllt, als sie mir all dies als Kind beibrachten. Chavagnes hat mich gelehrt, sie als Mann zu leben.

Das heiβt natürlich nicht, dass ich kein Sünder wäre. Ich bin ein im Entstehen begriffenes Kunstwerk. Ich bin überzeugt, dass die zwei kurzen Jahre im Chavagnes International College eine herausragende Rolle dabei gespielt haben, mich zu dem zu machen, der ich bin: ein junger Katholik, der die Lehre der Kirche kennt und bejaht und der sich bemüht, ein besserer Christ zu werden. Mehr verlangt Christus nicht.

Ich bin Chavagnes und Gott zutiefst dankbar für das, was Er mir in der Zeit dort durch die gute Arbeit der Lehrer gegeben hat.

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Eine internationale Familie: das persönliche Zeugnis von Wiebke Micallef Eynaud

 

Wir sind eine internationale Familie: Ich bin Deutsche, geboren und aufgewachsen in Lüdenscheid; mein Mann ist Malteser. Wir leben in Malta, doch unser ältester Sohn besucht nun eine englisch geprägte Internatsschule in Frankreich. Wie mag das wohl kommen?

Mein Mann und ich hatten über Chavagnes International College gelesen und wussten, dass es eine auβergewöhnliche Schule ist, vor allem weil sie sehr bewusst katholisch ist, ja geradezu als Antwort auf allzu angepasste katholische Schulen gegründet wurde. Uns gefiel der Ansatz, den Glauben in die Mitte des Schullebens zu stellen und ohne Abstriche zu lehren. “Ein halber Christ ist ein ganzer Unsinn” lautet ein Satz, den ich aus meiner Jugend kenne. Wenn Gott da ist und uns nah ist, uns liebt und etwas mit uns vorhat, sollte nichts natürlicher sein, als dass wir ihn ganz Herr sein lassen. Warum soll das nicht auch für Schulen gelten?

Als wir 2007 Urlaub in Frankreich machten, haben wir Chavagnes besucht. Es waren Sommerferien: im Internat war es ruhig und still. Der Rektor hatte uns erwartet. Er hat sich Zeit für uns genommen, die Schule gezeigt und erklärt. Wir lernten auch ein Lehrerehepaar kennen. Wie der Rektor, beeindruckten uns auch diese beiden als herzliche, nette Leute, ihres Glaubens sicher und froh. Die Schule selbst, so zeigte sich, hat keinerlei überflüssigen Luxus. So schlafen die 10-13jährigen Jungen in einem groβen Schlafsaal, die älteren in Drei- und Vierbettzimmern. Chavagnes International College ist ein Internat im alten Stil: einfach, aber zweckmäβig – und in einem schönen alten Gebäude in einem idyllischen Dorf gelegen.

Unser Sohn, damals elf Jahre alt, war begeistert. Es spielte sicher eine Portion Abenteuerlust mit; dazu kam aber, dass er sich instinktiv wohl fühlte – sowohl an dem Ort als auch mit den Leuten. Waren wir mit der Einstellung gekommen, wir würden uns Chavagnes einmal ansehen, um dann unseren Sohn vielleicht in ein paar Jahren dorthin zu schicken, so standen wir plötzlich vor der Frage, ob wir ihn, wie er es sich nun brennend wünschte, sofort für das bald beginnende Schuljahr anmelden sollten. Nach zwei im Dorf verbrachten Tagen, nach Gesprächen, Abwägungen und Gebeten haben wir uns dafür entschieden. Als wir dann wieder zurück zu Hause waren, hatten wir gerade mal 10 Tage, um Uniform und Ausrüstung zu besorgen, bevor unser Sohn wieder abgereist ist: zu seiner neuen Schule!

Dass wir ein Internat für unseren Sohn überhaupt in Betracht zogen, hat verschiedene Gründe: zum einen war mein Mann als Junge selbst Internatsschüler und hat das als sehr bereichernd empfunden. Hinzu kommt der Character unseres Sohnes: Er ist emotional ziemlich unabhängig, abenteuerlustig und war immer eher ein Einzelgänger, der im Umgang mit Mitschülern niemals Kompromisse machte, um akzeptiert zu werden. So wollte er sich zum Beispiel nie für einen Fussballclub erwärmen, nur weil alle anderen von ihm begeistert waren.

Im Internat dagegen teilen alle Schüler so viele Erlebnisse miteinander, dass solche schulfremden Interessen belanglos sind. Dort gehört er ganz und gar dazu: er setzt sich im Sport voll ein, beteiligt sich an Debatten, Theaterproduktionen und dem Photoclub; er hat seinem ‘Haus’ zuliebe, für das es Punkte zu gewinnen galt, auch beim Vortragen von Gedichten mitgemacht, was ihn sonst weniger interessiert hätte; ja er vermittelt zwischen Mitschülern, wenn die mal versucht sind, sich wegen ihrer verschiedenen Nationalitäten gegeneinander abzugrenzen. Denn die Schule ist wirklich international: sie folgt zwar vor allem dem britischen Lehrplan und somit sind Jungen aus England und Wales die Hauptzielgruppe, aber es gibt auch etliche Franzosen und eine Gruppe von spanischen Jungen. Wer bei seiner Ankunft in Chavagnes noch nicht flieβend in Englisch ist, wird es meist innerhalb eines Trimesters (einem Drittelschuljahr; drei bis dreieinhalb Monate). Bei Französisch, das ja nicht die Hauptsprache der Schule ist, dauert es etwas länger, aber nach einem Jahr konnte mein Sohn, der vorher fast keine Französischkenntnisse hatte, die Sprache gut verstehen und sich auch recht gut ausdrücken.

Dazu haben sicher auch die Freundschaften im Internat beigetragen. Seine bisher vier ‘half-term’-Ferien in der Trimestermitte (jeweils eine Woche einschlieβlich beider Wochenenden) hat mein Sohn als Gast bei den Familien von Schulfreunden verbracht, zweimal in England und zweimal in Frankreich. Nach Hause kommt er nur zu Weihnachten, Ostern und im Sommer, was ihm nichts ausmacht. Er sagt, in der Schule sei immer so viel los, dass er gar nicht dazu komme, Heimweh zu haben. Mir allerdings wird die Zeit manchmal lang, bis ich ihn wiedersehe, zumal er ziemlich schreibfaul ist und auch nicht gerne anruft. Um sich als Mutter nach über einem Monat Funkstille keine allzu groβen Sorgen machen zu müssen, ist es schon wichtig, der Schule voll vertrauen zu können!

Als ich Chavagnes neulich besuchte, um meinen Sohn zu den Ferien abzuholen, und zwei Tage dort verbrachte, mit Lehrern sprach, Theaterproben und -aufführungen ansah und ganz allgemein am Ausnahme-Schulleben kurz vor den Ferien teilnehmen durfte, war ich von mehreren Dingen stark beeindruckt: Da war zum Beispiel die Festlichkeit der täglichen Messen, durchdrungen vom Gefühl der Heiligkeit Gottes. Da war die freundschaftliche Atmosphäre zwischen den Jungen, ihr Respekt für die Lehrer und ihre ungezwungene Höflichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber einer relativ Fremden wie mir. Und da waren die Lehrer, bei denen zu spüren war, dass sie als eine Gemeinschaft im Glauben leben: dass ihre Motivation, in Chavagnes Lehrer zu sein (und gute Lehrer zu sein, die sich voll einbringen) aus ihrem gelebten Glauben kommt und dass sie alle an einem Strang ziehen.

Schulisch tut meinem Sohn Chavagnes gut: Die Klassen sind klein; die Lehrer kümmern sich wirklich um jeden einzelnen Schüler, kennen seine Stärken und Schwächen und fördern ihn so gut es geht. So hat die Mathelehrerin meinen Sohn letztes Jahr ermutigt, an einem britischen Schülerwettbewerb für Mathematik teilzunehmen, auf den sie ihn dann auch vorbereitet hat. Er hat auf eine Bronzemedaille gehofft und Silber geschafft! Seine durchaus vorhandene Faulheit muss im Internat in Grenzen bleiben, denn alte Methoden der Hausaufgabenvermeidung ziehen nicht mehr. Eine klare Stärke der Schule liegt bei den Sprachen: Zu Englisch und Französisch kommen Spanisch und Latein.

Chavagnes hat eine ganz besondere, ausgeprägte Identität. Die meisten Jungen scheinen wirklich stolz auf ihr Internat zu sein – mein Sohn ist es ganz bestimmt! In gewisser Hinsicht ist es eine Oase: der Glaube ist hier so selbstverständlich, so natürlich wie an kaum einem anderen Ort. Den Lehrern ist jeder Schüler wichtig und alle Jungen kennen einander gut. Es würde schon eine groβe Anstrengung erfordern, hier Auβenseiter zu bleiben! Mein Sohn ist selbstbewusster und selbstsicherer geworden, und er möchte nie wieder von Chavagnes weggehen – jedenfalls nicht, bevor es Zeit ist, zur Uni zu gehen: mal sehen, in welchem Land…!

Wiebke Micallef Eynaud

 

                        

 

 
Chavagnes International College • Catholic boarding school for boys • www.chavagnes.org Über uns